Lernkonzept

  

Lernkonzept der Krause- Tschetschog- Oberschule Bad Belzig

im Rahmen des ESF- Programms

Projekt Jugendhilfe / Schule 2020 Modul A

 

 

 

1. Einleitung

Das Projekt unterstützt Schüler/innen mit Auffälligkeiten in den Bereichen der emotional sozialen Entwicklung, der Sprache und im Lernen.

Es ist angedacht für 12 Schüler/innen der 7. und 8. Klassen.
Im schulischen Alltag reagieren diese Schüler/innen oft mit Verweigerungshaltungen
und /oder Leistungsabfall in verschiedenen Fächern.    

                       

2. Bedarfs- und Zielgruppenbeschreibung

An der Krause- Tschetschog- Oberschule Bad Belzig lernen zur Zeit 198 Schüler/innen. Sie kommen nach Beendigung der 6. Klasse von insgesamt 5 Grundschulen und müssen sich in der Klassenstufe 7 neu orientieren. Da ein großer Anteil von ihnen aus sozial schwachen Familien, aus Familien mit alleinerziehenden Müttern oder Vätern, aus solchen mit Migrationshintergrund bzw. aus Fremdunterbringung kommen, fällt sowohl das Lernen als auch der Erwerb von sozialen Kompetenzen oft sehr schwer. In den nächsten Jahren ist zudem mit einer verstärkten Aufnahme von Kindern aus Flüchtlingsfamilien zu rechnen, dies zeichnet sich bereits deutlich an den Grundschulen der Einzugsgebiete ab. Die sozialen Bedürfnisse und die außerschulischen Probleme vieler junger Menschen stehen so sehr im Vordergrund, dass das Lernen völlig in den Hintergrund rückt und ein Teil der Schüler sich total verweigert. Diese kommen entweder gar nicht zur Schule, bleiben einzelne Stunden dem Unterricht fern oder sitzen in der Klasse, beteiligen sich aber in keiner Weise am Unterricht („passive Schulverweigerung“).
Diese Verweigerung setzt sich in der Klassenstufe 8 fort und führt häufig zu Lerndefiziten und erneutem Fernbleiben, so dass sie am Ende das Klassenziel nicht erreichen.

Das Projekt richtet sich ebenso an Schüler mit emotional-sozialen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten, sowie Sprach-und Lerndefiziten. Sie spielen sich dann zum Beispiel durch lautes oder provozierendes Verhalten hervor oder sie sind so schüchtern, dass sie gänzlich in den  Hintergrund treten, somit in der Klasse ihre Fähigkeiten und Ressourcen nicht erfolgreich einsetzen, woraus eine weitere Demotivation resultiert.

Aus diesen Fakten ergibt sich auch für die kommenden Jahre ein entsprechender Bedarf für das Projekt „Schule /Jugendhilfe 2020“ an der Krause-Tschetschog-Oberschule in Bad Belzig.

 

3. Zielsetzung

Die Schüler können je nach ihrer Problemlage bis zu sechs Monaten (in Ausnahmefällen auch länger) im Projekt Unterstützung bekommen. Ziel des Projektes ist es, weitere Lerndefizite bei dem oben genannten Klientel zu vermeiden, schulische Kompetenzen zu stabilisieren, Wissenslücken zu schließen und den regelmäßigen Schulbesuch wieder zu ermöglichen. Außerdem sollen soziale und personale Kompetenzen gefestigt werden, um die Schul-laufbahn im Klassenverband im Anschluss an diese Maßnahme erfolgreich fortsetzen zu können. Letztendlich soll ein Schulabgang oder –abbruch ohne Abschluss und somit mit geringeren Chancen auf dem Ausbildungs-und Arbeitsmarkt verhindert werden.

 

Überalterte Schüler des 8. Jahrgangs ( im 10.Schulbesuchsjahr),bei denen sich trotz Förderung ein Nichterreichen o. g. Zielsetzungen abzeichnet, werden zur Berufsberatung begleitet, um dort Informationen über anschließende/ alternative Bildungswege zu erhalten.

 

4. Pädagogisches Angebot

 

(a) Beschreibung der Schule
Die Krause- Tschetschog- Oberschule ist eine 2-3- zügige Ganztagsschule in der Kreisstadt Bad Belzig mit den Klassenstufen 7-10. Der Unterrichtstag mit voll gebundener Ganztagsbetreuung ist für viele Schüler/innen sehr lang, da ein Teil der Jugendlichen aus dem Umland (Bereiche: Dippmannsdorf, Wiesenburg, Niemegk, Görzke, Ziesar) kommen und dadurch lange Anfahrtswege bewältigen müssen.
An der Schule gibt es in allen Klassenstufen Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Kinder mit Migrationshintergrund.


(b) Erfahrungen des pädagogischen Personals
An der Ganztagsschule arbeiten die Fachkollegen und Sonderpädagogen in Teams auf Klassenstufenebene zusammen und werden hierbei durch die Schulsozialarbeiterin unterstützt. Fächerbezogene Projekte und solche zur Entwicklung sozialer Kompetenzen bzw. auch zur Berufsorientierung werden gemeinsam vorbereitet und durchgeführt. In den Teamsitzungen werden auch Förderpläne für Schüler/-innen mit sonderpädagogischen Förderbedarf besprochen und evaluiert.
Halbjährlich führen die Klassenleiter/-innen Laufbahnberatungen mit den Schülern/innen und deren Erziehungsberechtigten durch. Dabei werden Ziele vereinbart und Hilfen gegeben.

Sowohl das Lehrerkollegium als Ganzes als auch die an der Schule tätigen Projektlehrerinnen im Speziellen haben seit Anfang 2016 vielschichtige Erfahrungen bei der Umsetzung des Programms „Projekte Schule/Jugendhilfe 2020“ an der Krause-Tschetschog- Oberschule  gesammelt, die ganz konkret in die weiterführende Arbeit einfließen werden.

(c) Beschreibung der vorgesehenen schulischen Förderung im Projekt
Die Grundlage für alle lernpädagogischen Angebote bilden die Rahmenlehrpläne der Sekundarstufe I sowie die schulinternen Curricula.
Die ausgewählten Schüler/innen sollen in einer Eingangsphase an das Projekt herangeführt werden. Der individuelle Leistungsstand wird in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch betrachtet. Ziel ist es, mit Hilfe einer prozessorientierten Beobachtung, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie leistungsmäßig stehen. Somit kann eine Überforderung von Anfang an vermieden werden. Den Schülern/-innen soll aufzeigt werden, welche Stärken und Ressourcen sie besitzen. Dazu wird mit jedem Schüler ein individueller Lern- und Förderplan erstellt. Der Förderplan unterstützt die Schüler/innen, nimmt sie in die Verantwortung und hilft ihnen ihre Stärken und Ressourcen nutzen zu lernen. Der Förderplan wird regelmäßig mit den Schüler/innen evaluiert, die Eltern werden dabei mit einbezogen. Desweiteren arbeiten die Schüler/-innen mit einem Wochenplan, bei dem sie sich selbst Ziele, die sie in der Woche erreichen wollen, setzen.
Der weitere Inhalt der Lernzeit ist geprägt durch Vermittlung grundlegender Kenntnisse, das Schließen von Wissenslücken durch handlungs- und berufsorientierten Unterricht begleitet durch Projekte, wobei die Leistungsbewertung nicht im Vordergrund steht. Bei Leistungsbewertung erfolgt diese auf der Grundlage der in der Schule geltenden Maßstäbe und der individuell prozessorientierten Beobachtung mit dem Ziel, die jungen Menschen zu motivieren, um in die höhere Klassenstufe versetzt zu werden.


(d) Stundentafel und Unterrichtsorganisation
Der Unterricht wird in Kleingruppen von je 6 Schüler/innen an allen Wochentagen durchgeführt. Zudem besteht die Möglichkeit, erfolgreiche Jugendliche in einzelnen Unterrichtsstunden in den Klassenverband zurückzuführen. Findet beispielsweise Blockunterricht statt (90 Minuten), sollten die Schüler/-innen nur einen Teil innerhalb der Klassengemeinschaft beschult werden.

 

Den Unterricht erteilen 3 Lehrkräfte der Krause-Tschetschog-Oberschule, davon ist eine Lehrkraft die Sonderpädagogin der Schule.
Es werden 25 Lehrerwochenstunden für das Projekt zur Verfügung gestellt.
Die Lehrer des Projektteams sehen sich als Bildungsmanager. Sie stehen im engen Kontakt mit dem/n Schüler/-innen, treffen Absprachen mit dem entsprechenden pädagogischen und sozialpädagogischen Personal. Sie haben eine beratende Funktion gegenüber den Eltern.

Pro Woche  ist im Projekt  folgende Unterrichtsaufteilung angedacht:

6 Stunden Deutsch
6 Stunden Englisch
6 Stunden Mathematik
2 Stunden Naturwissenschaften
4 Stunden Gesellschaftslehre
1 Stunde WAT (nur Klassenstufe 8)

Dieser Unterricht wird projektorientiert
, kooperativ, fächerübergreifend und handlungsorientiert  gestaltet.
Ergänzt wird die Stundentafel durch sozialpädagogische Angebote.


(e) Verfügbarkeit von Räumen
Es werden ein Büro/ Beratungsraum und zwei Lernräume zur Verfügung gestellt. Für praktische Arbeiten wird der Zugang zur Hauswirtschaftsküche, zum Computerraum und zur WAT- Werkstatt ermöglicht.

 

(f) Sozialpädagogische Angebote
Für die Erreichung der oben genannten Ziele ist eine enge Verzahnung der lern- und sozialpädagogischen Angebote zwingend notwendig.
Die sozialpädagogische Arbeit orientiert sich an der individuellen Problemlage jedes einzelnen Projektteilnehmers. Vereinbarungen und Regeln müssen zunächst gemeinsam erarbeitet werden, ihre Einhaltung sollten ständig überprüft und mit dem Jugendlichen ausgewertet werden. Bei Verstößen gegen diese Regeln erfolgen zunächst Einzelgespräche, bevor entsprechende vorher festzulegende Maßnahmen ergriffen werden.
Die Teilnahme an den verschiedenen Angeboten des Projektes wird im Vorfeld besprochen, bei der Aufarbeitung von sich ergebenden Problemen (Unlust, Unwilligkeit zur Teilnahme …) erhält der Jugendliche die notwendige Unterstützung.


(g) Gruppenangebote
Diese sollen die Gruppenbildung im Prozess des Projektes fördern und die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen weiterentwickeln. Es gilt insbesondere die Verbesserung der Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und die Verantwortlichkeit für die Gruppe und für die eigene Person zu erlangen.

Folgende Gruppenangebote könnten unterbreitet werden:
- Gesprächsrunden
- gemeinsames Kochen
- Werkstattarbeit
- Bewegung und Spiele
- Erlebnispädagogik
- Arbeitsgemeinschaften im Ganztagsangebot

- Feiern

- Kinobesuche

- Kultur-, Jugend- und Medienzentrum "Pogo"

- Museum der Burg Bad Belzig

- Wandertage im Projekt

- Ferienfreizeit

 

(h) Elternarbeit
Eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern ist für die Erreichung der Projektziele von besonderer Bedeutung. Zunächst sollten vorbereitende Gespräche durchgeführt werden, um die Ursachen für die fehlende Lernmotivation  oder Schulverweigerung zu klären. In der Familie müssen förderliche Bedingungen wie Vertrauen, Verlässlichkeit und Verbindlichkeit geschaffen werden. Dazu müssen die Eltern intensiv in die Arbeit des Projektes einbezogen werden. Das sollte durch Information, Förderplangespräche, evtl. Teilnahme an Teamsitzungen und gemeinsame Aktivitäten erfolgen.

Unsere Intention ist eine vertrauensvolle Elternarbeit, die von gegenseitigem Respekt und einer offenen Kommunikation und einer gemeinsamen Verantwortung für die Schüler gekennzeichnet ist. Eltern sind Experten für ihr Kind. Sie geben uns zu Beginn wichtige Hinweise, damit wir gemeinsam die Stärken des jeweiligen Schülers besser in der Schule hervorbringen und voranbringen können.

Um den Kontakt zu den Eltern während der Projektzeit des Kindes zu halten und ihnen eine Rückmeldung zu geben, gibt es regelmäßig Gespräche mit den Lehrern und Sozialarbeitern. Kolleginnen aus dem Projekt haben sich als Moderatorinnen für Elternarbeit innerhalb eines Jahres qualifiziert und wollen im Projekt ihre Erfahrungen einbringen und an die Eltern weitergeben.

 

(i) Eigenverantwortung der Projektteilnehmer

Die Jugendlichen, die sich zum Projekt anmelden, werden zur Eigenverantwortung herangezogen. So führen sie mit dem für sie speziell angepassten Stundenplan einen Plan mit selbst gestelltem Wochenziel. Dieses wird dann am Ende der Woche überprüft und mit den Sozialarbeitern ausgewertet, so dass für die neue Woche daran weitergearbeitet wird oder ein neues Ziel festgelegt wird.

 

 (j) Reintegration der Projektteilnehmer

Die Verweildauer im Projekt richtet sich nach dem festgelegten Förderbedarf und der individuellen Entwicklung der Jugendlichen im Projektverlauf.

In der Regel werden 6 Monate angesetzt. Je nach erreichtem Fortschritt des einzelnen Teilnehmers wird dieser sukzessiv in die Stammklasse entlassen. Gegebenenfalls findet in der Übergangsphase eine Kooperation mit der Schulsozialarbeiterin statt, um den Schüler/innen weiterhin Unterstützung in ihrer Schullaufbahn zukommen zu lassen. Weiterhin arbeitet das Team der Sozialarbeiter und Projektlehrer eng mit dem Klassenleiter/ der Klassenleiterin und den Fachlehrern des Schülers /der Schülerin  zusammen, um die Entwicklung zu stabilisieren und auch nach Beendigung des Projektes weiterhin zu unterstützen. Angestrebt wird eine Übergangsphase von 4-6 Wochen. Nach Ablauf dieser Zeit wird gemeinsam evaluiert, ob der Schüler/ die Schülerin das Projekt endgültig verlassen kann.

Sollte in Einzelfällen ersichtlich sein, dass die angestrebte maximale Aufenthaltsdauer von 6 Monaten nicht ausreicht, kann diese verlängert bzw. ein Antrag  auf Neuaufnahme gestellt werden. Dies wird im Projektbeirat besprochen und dokumentiert.